Angebotsanalyse mit künstlicher Intelligenz in wenigen Augenblicken. Preise, Vertragsklauseln, die Zahlungsfähigkeit der Auftragnehmer und fehlende technische Leistungen auf dem Prüfstand.
Ein neues Dach, ein Anbau, eine Photovoltaikanlage: Jedes Bauvorhaben beginnt mit einem Angebot, das im Vertrauen unterschrieben wird. Oft geht es dabei um eine der größten Ausgaben im Leben. Wolfgang Sievert beobachtet diesen entscheidenden Moment seit dreißig Jahren. Als Leiter einer Unternehmensberatung für strategische Entscheidungen hat er zahlreiche Bauprojekte begleitet und dabei eine hartnäckige Schwachstelle erkannt: Tausende Euro werden auf Grundlage eines Dokuments zugesagt, obwohl kaum Informationen über den Handwerksbetrieb vorliegen, der es erstellt hat. Privatleute investieren die höchsten Summen ihres Lebens in ihr Haus – häufig mit weniger Informationen als beim Kauf eines Haushaltsgeräts. „Die meisten Menschen glauben, bei einem Angebot gehe es nur um den Preis“, stellt Wolfgang Sievert fest. Dabei sind die finanzielle Stabilität des Unternehmens, seine Versicherungen, mögliche frühere Insolvenzen und die Eignung der vorgeschlagenen Materialien ebenso wichtig.
Ein Foto, eine Analyse in wenigen Augenblicken
Deshalb beschlossen Wolfgang Sievert und Christian Vicente (Systems Engineer und Lead AI & Algorithm Architect), gemeinsam mit einer spezialisierten Anwaltskanzlei eine Lösung zu entwickeln, die einen Algorithmus mit KI verbindet. Die App namens ECV, kurz für Euro Construct Verify, wurde zunächst in Belgien eingeführt und anschließend in weiteren europäischen Ländern, darunter der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Dem offiziellen Start im vergangenen Mai gingen zweieinhalb Jahre Entwicklungsarbeit voraus. Die Anwendung ist denkbar einfach: Ein Foto des Angebots oder die entsprechende PDF-Datei genügt, um die Analyse zu starten. Eine künstliche Intelligenz liest die Daten aus. Ein Algorithmus gleicht sie anschließend über Programmierschnittstellen mit Hunderten authentischen Quellen ab. Vier KI-Modelle arbeiten nacheinander, um Fehler zu reduzieren. Danach erhält der Nutzer per E-Mail einen Bericht samt Zuverlässigkeitsanzeige auf einer Skala von Rot bis Grün. Die Analyse erkennt überhöhte Forderungen und marktunübliche Preise, übertriebene Mengenangaben, fehlende Positionen wie Abfallentsorgung oder vorbereitende Arbeiten, doppelte Abrechnungen und Klauseln, die ausschließlich den Kunden verpflichten. Sie prüft, ob eine zehnjährige Baugewährleistung vorgesehen ist und ob die Materialien miteinander kompatibel sind. Über eine Schnittstelle für Satellitendaten wird außerdem das Überschwemmungsrisiko des Grundstücks geprüft. „Man fotografiert das Angebot und erhält innerhalb von dreißig Sekunden eine Antwort“, fasst der ECV-Gründer zusammen (öffnet in einem neuen Fenster).
Von Privatkunden bis zu Institutionen
Hinter der App für Verbraucher steht ein weitergehendes Ziel. Privatpersonen bilden die größte Nutzergruppe; auf Architekten, Sachverständige und Immobilienmakler entfallen zusammen knapp 13 Prozent der Analysen. ECV beziffert den europäischen Markt für Bau und Renovierung auf zwei Billionen Euro. Ein Teil der Projekte mündet jedes Jahr in Streitigkeiten, die vor Gericht entschieden werden. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen von Wolfgang Sievert und Christian Vicente mehr im Blick als eine App für Privatkunden. Die Gründer arbeiten darauf hin, eine Zertifizierungsstelle zu werden und eine Art Vertrauenssiegel für Bauunternehmen anzubieten. Zudem sprechen sie mit Versicherern und europäischen Institutionen über Bauförderungen. Der Leitgedanke lässt sich einfach zusammenfassen: Ein Angebot Position für Position prüfen, bevor man sich bindet, statt erst nach Baubeginn böse Überraschungen zu erleben.
Demnächst auch im App Store und bei Google Play erhältlich.
ECV – Euro Construct Verify · Waterproof Europe srl, 11 rue du Dragon, 1640 Rhode-Saint-Genèse · ecvcheck.com


